Strahlentherapie

Sehr früh nach Entdeckung der Röntgenstrahlen (X-Strahlung) durch Wilhelm Conrad Röntgen in Würzburg, entdeckte man auch die heilende Wirkung dieser Strahlen. Erste Berichte über die Anwendung werden zu Beginn des letzten Jahrhunderts durch Hautärzte veröffentlicht, die oberflächliche gut- und bösartige Hautveränderungen behandelten.

Auch heute noch werden eine Vielzahl gutartiger Erkrankungen der Gelenke (z. B. Arthrosen), der Haut (z. B. Entzündungen), der Knochen und des Nervensystems bestrahlt und geheilt. Jedoch hat sich natürlich die Technik im Laufe der letzten Jahrzehnte insbesondere der letzten 1 - 2 Dekaden, auf Grund der zunehmenden „Computerisierung“ erheblich verbessert und zunehmend individualisiert. Letzteres gilt insbesondere für die Strahlentherapie bösartiger Tumorerkrankungen (= Radioonkologie).

Die Strahlentherapie stellt eine wesentliche Säule im Gesamtbehandlungskonzept von Tumoren dar und ist immer im Zusammenhang mit Operation („Stahl und Strahl“), der internistischen Tumortherapie (z. B. Chemotherapie, Antikörpertherapie, endokrine Therapie) und anderer ergänzender Therapieformen (z. B. Hyperthermie, biologische Therapie) zu sehen und zu werten.

Im Folgenden wollen wir Ihnen die Stationen und Komponenten einer Strahlentherapie aufzeigen, die erst in ihrem Zusammenwirken die komplexe Strahlentherapie ermöglichen.

Stationen und Komponenten einer Strahlentherapie

Therapiesimulator

Hierbei handelt es sich um ein spezielles, auf die Bedürfnisse der Strahlentherapie ausgerichtetes, radiologisches Diagnosegerät zur Bestimmung der zu bestrahlenden Tumorregion.

Der Patient wird in eine stabile, jederzeit exakt zu reproduzierende Position, gelagert. Diese, dann optimale, Position wird mittels Durchleuchtungs-Röntgenaufnahmen festgehalten. Anschließend werden Markierungspunkte bzw. –linien auf die Haut, unter Verwendung eines dreidimensionalen Lasersystems, gezeichnet. Die Markierungen dürfen ab diesem Zeitpunkt vom Patienten nicht mehr abgewaschen werden und dienen der exakten Positionierung des Patienten während der Bestrahlungsserie.

Zur exakten Lagerung ist eine Vielzahl mechanischer Lagerungshilfen notwendig. Diese werden auch in der praxiseigenen medizinischen Werkstatt durch einen spezialisierten Techniker individuell, quasi wie ein Maßanzug, angefertigt.

Dies ist notwendig zum millimetergenauen Positionieren der Patienten z. B. bei Bestrahlung im Kopf- Hals-, Rückenmarksbereich oder bei Kindern. Auf diese Weise werden unerwünschte Nebenwirkungen der tumorumgebenden Organe minimiert und diese maximal geschont.

Onkologisches Planungssystem

Das gewonnene Bildmaterial von CT oder MR wird anschließend online auf unser Planungssystem übertragen. Der Arzt zeichnet sodann digital in alle Schichten das zu bestrahlende Tumorvolumen und die maximal zu schonenden Organkonturen unmittelbar umliegender Organe (z. B. gesunde Hirnareale, Lunge, Darm usw.) ein und gibt die Dosis und Dosisverteilung vor.

Anschließend errechnet der Medizinphysik-Experte die genauen Bestrahlungsparameter (also exakte Feldgrößen, Einstrahlwinkel, Blockgrößen bzw. MLC-Positionen zur Schonung gesunder Organe, Gewichtung, Berücksichtigung von Halbschatten, Streustrahlung, Rückstreuung usw.). Ziel ist eine maximale gleichmäßige Dosisverteilung im Tumor unter maximaler Schonung gesunder Organe.

Erst nach Diskussion verschiedener Planungsalternativen und anschließender Genehmigung des optimalen Bestrahlungsplanes durch den Arzt wird dieses Bündel an Bestrahlungsparametern in das praxisinterne, vernetzte onkologische Informationssystem weitergegeben und steht so den Linearbeschleunigern zur Verfügung.

Linearbeschleuniger

An Hand der Codierung jedes Patienten und jedes Bestrahlungsvolumens werden vor jeder täglichen Bestrahlung die Feldparameter überprüft und der Linaerbeschleuniger exakt auf die jeweilige Position automatisch eingestellt. Die MTRA überprüft die exakte Lagerung und Positionierung des Patienten an Hand der auf die Haut eingezeichneten laserkontrollierten Lagerungsstriche. Erst dann kann die tägliche Bestrahlung durch MTRA oder Arzt freigegeben werden.

Vor jeder Bestrahlung nimmt das OBI®-System (IGRT) 2 orthogonale Röntgenbilder auf und vergleicht diese mit den Ausgangsaufnahmen (Matching). Der sich evtl. ergebende Versatz in alle drei Raumrichtungen wird nun durch eine ferngesteuerte Bewegung des Behandlungstisches ausgeglichen. Im Anschluß erfolgt die Bestrahlung.

In unserer Praxis stehen zwei Linearbeschleuniger mit mehreren Photonenenergien und einer Vielzahl verschiedener Elektronenenergien (speziell zur Bestrahlung oberflächlicher Krankheitsprozesse) zur Verfügung. Bei Photonen handelt es sich um eine hochenergetische gebündelte Röntgenstrahlung. Die höhere Eindringtiefe des Strahls ist schonender für das umliegende Gewebe als die früher verwendete Kobalt- oder Cäsiumstrahlung.

Elektronenstrahlung wird vorwiegend für (körper)oberflächennahe krankhafte Veränderungen verwendet und ist in ihrer Eindringtiefe frei wählbar. Sie hat allerdings eine höhere Hautbelastung zur Folge.

Verifikationssystem

In regelmäßigen Abständen werden von allen Bestrahlungsfeldern so genannte Einstellaufnahmen an den Linearbeschleunigern angefertigt (d. h. der Beschleuniger kann auch normal „röntgen“). Diese dienen zur exakten Reproduzierbarkeit der geplanten Strahleneintrittsfelder im Lauf einer oft mehrwöchigen, Bestrahlungsserie. Änderungen durch Schrumpfen des Tumors, Bewegungsunruhe des Patienten, andere Atemphasen usw. werden sofort durch Arzt, Physiker oder MTRA erkannt und korrigiert.

Wir führen tägliche Kontrollen durch. Zusätzlich hierzu kontrollieren wir die Positionierung des Patienten bezüglich der krankheitsbefallenen Körperregionen durch ein Cone-Beam-CT (CBCT) direkt am Beschleuniger in Echtzeit. Unabhängig von den technischen Kontrollen erfolgen in regelmäßigen Zeitabständen, klinische Kontrollen des Patienten durch den behandelnden Arzt.

IGRT

IGRT steht für „image guided radiation therapy“, zu deutsch: bildgeführte Strahlentherapie.
Hierbei wird vor jeder einzelnen Bestrahlung mit Hilfe einer Röntgenröhre und eines Bildempfängers (=OBI®-System der Fa. Varian) ein Paar orthogonaler Aufnahmen angefertigt. Durch Vergleich und Überlagerung mit den Ausgangsaufnahmen aus dem Planungssystem wird der dreidimensionale Versatz bestimmt.

Dieses "matching" erfolgt automatisch und wird anschließend manuell kontrolliert und gegebenfalls korrigiert. Durch die dann anschließende ferngesteuerte Tischbewegung erfolgt ein Ausgleich dieses Versatzes.

Somit ist es möglich, die Lagerungstoleranzen von Bestrahlungssitzung zu Bestrahlungssitzung auf ein Minimum zu reduzieren und damit einen der größten Verbesserungen in der Strahlentherapie zu erzielen.

Cone-Beam-CT (CBCT)

Das OBI®-System ermöglicht auch die Aufnahme eines Computertomogramms (CT) in der Bestrahlungsposition direkt am Bestrahlungsgerät.

Der CT-Datensatz wird unmittelbar und automatisch mit dem Ausgangsdaten aus dem Bestrahlungsplan überlagert.

Bei diesem CT-CT-matching wird nicht nur auf die knöchernen Strukturen im Körper abgestellt, sondern es kann gezielt auch eine Weichteilanpassung erfolgen. So werden Organverschieblichkeiten vor der Bestrahlung erkannt und durch die dann anschließende ferngesteuerte Tischbewegung ausgeglichen.

Rapid Arc

Die Rapid-Arc Bestrahlungstechnik ist eine Weiterentwicklung und Verbesserung der IMRT Technik. Während einer Rotation um das Bestrahlungsgebiet werden die MLC-Lamellen, die Intensität der Strahlung und die Geschwindigkeit der Rotationsbewegung dynamisch verändert. So ist es möglich, eine optimale Dosisverteilung im Körper (wie bei der klassischen IMRT) in kürzerer Zeit und mit weniger Monitoreinheiten einzustrahlen.

Nicht nur die Verweildauer des Patienten unter dem Gerät ist kürzer, auch die Nebenwirkungsrate und Ganzkörperbelastung sind normalerweise kleiner als bei der klassischen IMRT. Daher wird Rapid Arc auch als die bessere IMRT bezeichnet.

Häufige Fragen zur Strahlentherapie

Wie oft und wie lange wird man bei einer Strahlentherapie bestrahlt?

Die Häufigkeit und die Dauer der Therapiesitzungen sind abhängig von der zu behandelnden Krankheit und des Behandlungsziels. Vor Beginn der Therapie wird ein Arzt einen individuellen Bestrahlungsplan erstellen.

Mit welchen Nebenwirkungen muss ich rechnen?

In unserer Praxis verwenden wir moderne Geräte der neuesten Generation, wie z. B. den Linearbeschleuniger Varian i X. Die  Geräte in der Strahlentherapie sind darauf ausgelegt, gesundes Gewebe und Organe zu schonen und nur einen etwaigen Tumor zu schädigen. Durch die Voruntersuchungen kann der Ort der Bestrahlung sehr genau festgelegt werden, so dass umliegende Körperteile wenig beeinträchtigt werden. Mögliche Nebenwirkungen sind abhängig von der bestrahlten Körperregion. Des Weiteren treten dort, wo die Strahlen in den Körper eintreten, häufig Hautrötungen auf, die aber in den Therapiepausen wieder abklingen sollten.

Bei der Bestrahlung gutartiger Erkrankungen sind die Strahlendosis und auch die Dauer der Bestrahlung viel geringer, so dass hier nicht von Nebenwirkungen ausgegangen werden muss.

Strahle ich nach einer Behandlung selbst? Muss ich mich von Kindern und Schwangeren fernhalten?

Bei der Strahlentherapie werden keine radioaktiven Substanzen eingesetzt, sondern von einem Linearbeschleuniger erzeugte Röntgenstrahlen. Daher besteht auch nach der Strahlenbehandlung keine Gefährdung für andere Personen.

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